Lust auf Slowenien?

Marieninsel im Bleder See

Der Bleder See im Nordwesten

Um 19 Uhr kommen wir an. Und sind platt. Soviel dazu, zur Hauptreisezeit mit Theo auf Tour gehen zu wollen. Für die ersten 160 Kilometer haben wir vier Stunden gebraucht. Und in dieser Zeit nicht mal unser Bundesland verlassen. Insgesamt 650 Kilometer später hat sich der Bleder See zu unserem Empfang in ein romantisches Licht getaucht. Unser erster Eindruck von Slowenien: ganz schön touristisch hier!

Eindeutige Hinweise darauf: Es fährt ein Touri-Bähnle um den See, Fiaker warten auf Kundschaft, die Speisekarten der Restaurants protzen mit Bildern und einer Beschreibung ihrer Gerichte in vier Sprachen und Kellner spulen routiniert ihr Programm auf Englisch und – kurz darauf – auf Deutsch herunter.

Es war wohl ein Fehler, vom fehlenden Bekanntheitsgrad Sloweniens in Deutschland auf fehlende Touristen zu schließen. Man trifft hier Italiener, Engländer, Franzosen, Ungarn und Österreicher. Viele Familien mit kleinen Kindern machen hier Urlaub, aber auch die jungen und coolen Aktivurlauber sind zahlreich.

Vintgar-Klamm in Slowenien

Warum Slowenien? Gerade bei meinen kroatischen Bekannten ist unser Urlaubsziel auf viel Unverständnis gestoßen. Wo man doch nur wenige Kilometer dranhängen muss, um im schönen Kroatien Ferien machen zu können. Zwölf Tage? Und was macht Ihr die restlichen neun Tage? So oder ähnlich lauteten die Anspielungen auf die fehlende Größe des Landes.

Ich schicke schon mal voraus: Slowenien ist klasse, unglaublich abwechslungsreich – und zwölf Tage sind viel zu wenig, um dieses tolle Land auch nur ansatzweise kennen zu lernen. Wenn man dem touristischen Bled den Rücken kehrt, dann wird es zum Glück sehr schnell ruhiger, fast schon ländlich am Bleder See.

Die inmitten des Sees gelegene Marieninsel mit ihrer Kirche ist ganz zauberhaft. Sich mit einem der Pletna-Boote – farbenfroh überdachte Holzboote – übersetzen zu lassen, gehört unbedingt zu einem Besuch des Bleder Sees dazu. In der Umgebung kann man wundervolle Wanderungen machen. Zum Beispiel durch die Vintgar-Klamm oder zum Wasserfall in der Savica-Schlucht.

Blick auf Ljubljana und die Burg

Pulsierende Hauptstadt mit grüner Seele

Ich habe vor unserer Reise einen Artikel über Ljubljana gelesen; darin vergleicht der Autor die slowenische Hauptstadt mit Berlin. Ich habe nach wie vor nicht die geringste Ahnung, warum. Ljubljana ist für eine Hauptstadt eher klein und übersichtlich. Mit unter 300.000 Einwohnern und einem Zentrum, in dem man alles zu Fuß erledigen kann. Und auch muss. Der Autoverkehr bleibt weitestgehend draußen.

Hoch über dem Altstadtkern thront die Burg: Ljubljanski Grad. Zwischen Burgberg und dem Flüsschen Ljubljanica ist die Architektur von Barock und Renaissance geprägt. Entlang der Lubljanica reiht sich ein gastronomischer Betrieb an den anderen, alle mit Außenbestuhlung, alle mit jungem, hippem Leben erfüllt.

Ljubljana zaubert uns ein Lächeln aufs Gesicht. Die Menschen sind wahnsinnig freundlich, in der Stadt pulsiert das Leben. An jedem Eck stehen Straßenmusikanten, überdimensionale Seifenblasen werden in die Luft entsandt, und am heißen Sonntag Nachmittag können sich Kinder wie Erwachsene mitten auf dem Preseren-Platz bei den Tromostovje, den „Dreibrücken“ von erfrischend kühlem Nass „beregnen“ lassen.

Ljubljana ist „grüne Hauptstadt Europas 2016“ und wirbt – wie ich finde, völlig zu Recht – mit seiner „grünen Seele“. Elektro-Taxis, Car Sharing sowie die unkomplizierte (und günstige) Möglichkeit, überall in der Stadt ein Fahrrad auszuleihen und an jeder Ausleihstation auch wieder abzugeben, sind dafür gute Beispiele.

Aber auch die deutsche Mülltrenner-Seele findet an Ljubljana nichts auszusetzen. Und dabei stören nicht etwa hässliche Sammelcontainer das Stadtbild, denn die sind im Boden versenkt. Ljubljana ist ein Ort, an dem kreative Menschen ihre Ideen eindrucksvoll umsetzen. Zur Freude von Einwohnern und Besuchern.

Adelsberger Grotte - Postojnska Jama

Die Adelsberger Grotte

Zum Ausklang unseres Slowenien-Aufenthalts wollen wir uns noch ein paar ruhige Tage am Meer gönnen. Die insgesamt nur knapp 50 Kilometer lange slowenische Adriaküste ist von der fast exakt in der geografischen Landesmitte liegenden Hauptstadt keine 100 Kilometer entfernt. Der Weg über die Autobahn führt uns direkt an Postojna vorbei. Unter den Karstfelsen liegt die weltberühmte Adelsberger Grotte, oder vielmehr die Postonjska jama.

Wir machen einen Abstecher in das imposante Höhlensystem. Und sind froh, dass wir genau zu diesem Zweck dicke Jacken in den leider ziemlich kleinen Kofferraum von Theo gestopft haben. In der größten Schauhöhle Europas herrschen sommers wie winters etwa acht Grad Celsius. Der Ansturm jetzt zur Hochsaison lässt sich in etwa mit dem auf Disneyland in Paris vergleichen. Doch die Slowenen sind auf die Besuchermassen bestens vorbereitet und beeindrucken auch hier mit Organisationstalent und Freundlichkeit.

Natürlich könnte man sich – gerade, wenn man in seinem Leben schon mehrfach an Höhlenbesichtigungen teilgenommen hat – fragen: Muss man eine weitere Tropfsteinhöhle sehen? Noch dazu für vergleichsweise teures Geld. Man muss natürlich nicht, trotzdem hat uns das weitläufige Höhlensystem sehr beeindruckt.

Und dann ist da ja noch der Grottenolm. Den gibt es nur im Postojna-Becken. Und selbst, wenn es sich nicht – wie lange gedacht – um einen Miniaturdrachen handelt, können wir jetzt immerhin sagen, dass wir einen „Proteus anguinus“ gesehen haben. Im Vertrauen: ziemlich hässliche Viecher. Allerdings perfekt an ein Leben in der dunklen Höhlenwelt angepasst.

Predjamski Grad

Die Höhlenburg

Nur neun Kilometer von der Adelsberger Grotte entfernt liegt Predjamski Grad oder – wie sie auf deutsch heißt – Burg Luegg. Sie klebt wie ein Schwalbennest an einer Felswand. Das besondere: Sie liegt genau vor einem Höhleneingang. Und diese Höhlen machte man sich früher bei Belagerungen zunutze. Durch sie war die Versorgung der hier einst hausenden Raubritter sicher gestellt und ein Aushungern so gut wie unmöglich.

Wir machen uns mit Audioguide bewaffnet auf Entdeckungstour. Erstens: Ich bin nach diesem Erstkontakt jetzt ein großer Fan von Audioguides, weil einem bei regulären Führungen doch irgendwie immer die Hälfte entgeht und man das Tempo des Guides mitgehen muss.

Zweitens: Obwohl ich nicht gerade aus einer an Burgen armen Gegend komme, habe ich zum ersten Mal das Gefühl, mir vorstellen zu können, wie das Leben auf einer Burg tatsächlich war. Verdammt unbequem nämlich. Selbst für den Burgherrn.

Piran an Sloweniens Adriaküste

Ab an die Adria

Slowenien ist nur etwa 20.000 Quadratkilometer groß, hat aber auf dem engen Raum sehr viele unterschiedliche Landschaften zu bieten. Zwischen den julianischen Alpen und der Adriaküste liegen gerade einmal zwei Stunden Autofahrt. Während man am See von Bohinj mit seinen Holzbalkonen, roten Geranien und Heuharfen jedoch noch glaubt, sich in einem verlängerten Kärnten zu befinden, präsentiert sich die slowenische Adriaküste mit Olivenbäumen und baumgroßen Oleandern so mediterran wie das nahegelegene Italien.

Wir kommen in einem umgebauten Konvent in Ankaran unter und geben uns hier dem süßen Nichtstun hin. Unser einziger Ausflug führt uns an einem Schlechtwettertag nach Piran, ein Küstenstädtchen wie aus dem Bilderbuch, dessen Architektur von seiner venezianischen Vergangenheit erzählt.

Was gibt es denn noch zu wissen über Slowenien? Zum Beispiel, dass es nirgendwo sonst auf der Welt so viele verschiedene Weine auf so engem Raum gibt. Nirgendwo sonst in Europa gibt es mehr Bauern, die sich dem biologischen Anbau verschrieben haben. Und: Hier gibt es Europas niedrigste Analphabeten Quote.

Na, Lust auf Slowenien gekriegt? Fahrt hin! Es lohnt sich.

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