Ach, Belle-Île, Du Schöne – du machst Deinem Namen wirklich alle Ehre. Und bist ein herrlich entspannter Ort für eine Auszeit vom Alltag. Hier scheint die Welt noch in Ordnung. Bei Dir kann man sich wunderbar den Wind um die Nase wehen lassen, die Zehen in den Sand graben und dem Meeresrauschen lauschen. Schade, dass wir uns schon wieder trennen mussten. Selten ist mir ein Abschied so schwer gefallen.
Dabei wusste ich bis vor kurzem gar nichts von der Existenz dieser herrlichen Insel. In unserer Juli-Woche am Lago Maggiore gab es aufgrund von Jahrhundert-Regenmassen jede Menge Zeit zum Lesen. Und ich habe den im Juni erschienenen Krimi von Jean-Luc Bannalec alias Jörg Bong gelesen. Bretonische Idylle. Es ist das zehnte Mal, dass sein Kommissar Dupin in der Bretagne ermittelt. Und obwohl ich schon einige Dupin-Krimis gelesen und die Filme im Fernsehen gesehen habe, hatte ich bislang noch nie das Gefühl, da unbedingt hin zu müssen. Dieses Mal aber schon. Denn Dupin, oder vielmehr sein Erschaffer, kommt aus dem Schwärmen über dieses Inselparadies gar nicht mehr heraus.
Zu Recht. Kaum hat man den Inselboden unter den Füßen, scheint der Alltag weit weg, zurückgeblieben auf dem Festland. Auf der heiteren bretonischen Insel lebt es sich langsam – und wir haben alles getan, uns dem Rhythmus von Belle-Île anzupassen. Kommt ihr also ein bisschen mit? Auf die Belle-Île – auf den Spuren von Kommissar Dupin.

Die Insel ist 17 Kilometer lang und an ihrer breitesten Stelle 9 Kilometer breit – also sehr, sehr übersichtlich. Bereits am ersten Tag hatten wir uns orientiert und erste Lieblingsplätze entdeckt. Es gibt eigentlich nur vier richtige Ortschaften – Le Palais, Bangor, Locmaria und Sauzon. Alle irgendwie gleichzeitig echt, irgendwo zwischen verschlafen und lebendig, und dabei wunderbar entspannt. Darüberhinaus gibt es etliche Weiler, die so aussehen, als hätte ein Riese Monopoly-Häuser über die Insel gewürfelt: kleine Ansammlungen von Häusern, scheinbar zufällig erbaut. Irgendwo im Nirgendwo. Die allermeisten davon im bretonischen Stil errichtet, weiß verputzt, mit kleinen Fenstern, bunten Klappläden, schiefergedeckten Dächern und den charakteristischen Giebeln, die als Schornstein enden.
Obwohl die Insel so klein ist, hat sie in Sachen Natur viel Abwechslung zu bieten. Zwischen ruhigen Stränden, spektakulären Steilküsten und farbenfrohen Häfen bietet die Insel ein Landschaftsmosaik der schönsten Art: mit bunten Polsterlandschaften aus Flechten, Heidekräutern und Grasbüscheln. Sightseeing? Nö. Nachtleben? Nope. Aber stundenlang kann man den Wellen dabei zuschauen, wie sie sich an schroffen Felsen brechen und weiße Schaumflocken übers Wasser tanzen lassen. Und gleich hinterm Strand laden kleine Pinienwälder mit hoch gewachsenen Farnen dazu ein, durch sie hindurch zu streifen.
82,5 Kilometer Küstenwanderweg laden dazu ein, die Insel in vier bis fünf Tagen zu Fuß zu umrunden. Das häufigste Transportmittel auf der Insel ist allerdings das E-Bike. Vor allem in Le Palais, wo die Fähre anlegt, gibt es etliche Möglichkeiten, Fahrräder (und Fun-Cars) zu mieten. Wir hatten mit dem Wetter Glück; es war herrlich. Außerdem war die Insel im September nicht überlaufen. Auf der Belle-Île leben knapp 5.500 Menschen – während der Hochsaison im Juli und August sollen bis zu 35.000 Menschen hier sein. Das möchte ich mir gar nicht vorstellen.

Wir hatten auf jeden Fall das Privileg fast Menschen leerer Strände. Apropos Strände – davon gibt es 58 auf der Insel. Manche sind nur vom Meer her erreichbar, auf anderen haben gerade einmal 2 Handtücher Platz. Das Spiel aus Licht, Farben und Weite hat dereinst bereits Claude Monet inspiriert. 39 Bilder hat er hier gemalt, wohnte in einem kleinen Häuschen in Kervilahouen. Vor allem die Côte Sauvage, die wilde Küste im Westen, mit ihren zerklüfteten Klippen und den von Sonne, Meer und Wolken aufgeführten Lichtspielen hatten es dem Maler angetan. Seine Lieblingsmotive waren die Felsspitzen in Port Coton – auch heute noch ein beliebter Aussichtspunkt.
Weiter geht es über die Belle-Île – auf den Spuren von Kommissar Dupin: in den Nordwesten, nach Sauzon. Für uns der schönste Ort auf der ganzen Insel. Sauzon anzuschauen heißt, am Tisch eines Cafés zu sitzen, die Sonne und einen Kir zu genießen und dabei den Blick schweifen zu lassen über bunte Häuser, grüne Fischernetze farbenprächtige Blüten, weiße Jachten und Touristen, die das Kai entlang bummeln. Gerne hätten wir – inspiriert vom Kriminalroman – im Restaurant du Phare gespeist. Doch dort war die Saison bereits beendet. Laut unserer Gastgeberin, der unglaublich netten Sophie, haben wir da nichts verpasst. Das sei ein Restaurant „für die Pariser“. Und, glaubt mir, das war nicht als Kompliment gemeint. Für die Bretonen ist Paris feindliches Ausland.
Auch kulinarisch ist die Insel ein Paradies: die frischesten Austern haben wir im Mabalulu direkt am Strand und im Café de la Cale in Sauzon gegessen. Herrliches Essen und sehr netten Service gibt es auch im L’Abri Côtier. Das teuerste Essen, wenn auch nicht unbedingt das beste hatten wir im im Café Clara, das zum Hotel Castel Clara gehört. Trotzdem möchte ich es Euch empfehlen, weil man auf der Terrasse oberhalb einer Bucht einfach herrlich sitzt. Ein Genuss für alle Sinne. Auch in der Nebensaison sollte man in diesen Restaurants unbedingt reservieren. Das gilt im Übrigen auch für die Überfahrt von Quiberon aus – vor allem, wenn man das eigene Auto mitnehmen will. Die Fahrzeiten der Fährgesellschaft Compagnie de l’Océan finden Ihr hier.

Bis zur Landspitze Pointe des Poulains sind es von Sauzon aus nur noch drei Kilometer. Das wilde Kap wurde durch die Schauspielerin Sarah Bernhardt berühmt, die Ende des 19. Jahrhunderts die Insel zu ihrem Rückzugsort fern des Pariser Glamours erkor. Das zum Wohnhaus umgebaute Fort kann man von Mitte April bis Mitte Oktober besichtigen – allerdings nur nach Voranmeldung.
Noch ein Wort zur Sicherheit in Pandemiezeiten. Seit Mitte August gibt es in Frankreich den Pass Sanitaire, mit dem – meist digital – Impf-, Test- oder Genesenenstatus nachgewiesen werden müssen. Und zwar auch, wenn man im Restaurant draußen sitzen möchte. Meiner Erfahrung nach wird viel strenger kontrolliert als bei uns. Durch die Wirte selbst, aber einmal haben wir auch erlebt, dass die Gendarmerie alle Gäste eines Cafés überprüft hat. Die deutsche Corona-Warn-App, die CovPass-App oder Luca-App genügen, um eine Impfung nachzuweisen. Einmal hatte Herr B. sein Handy vergessen, da war’s auch mit Impfausweis okay. Die Regeln zum Tagen einer Maske unterscheiden sich nicht von unseren.
Nach unserem Aufenthalt auf Belle-Île – auf den Spuren von Kommissar Dupin – verstehe auch ich endlich, was Krimiautor Bong alias Bannalec für den Tourismus in der Bretagne getan hat. Immerhin hat ihn der Regionalrat 2016 als „Mäzen der Bretagne“ ausgezeichnet. Und ich fürchte, dank der Bretonischen Idylle dürften die Betten auf der Belle-Île künftig noch knapper werden. Nur zwei Dinge gibt es, die ich dem Autor beim besten Willen nicht glauben kann: dass Kommissar Dupin irgendwo auf einer der Inselstraßen im Fun-Car-Dienstwagen mit 120 Stundenkilometern unterwegs ist – wir sind selten über den vierten Gang hinaus gekommen – und dass auch nur einer der Inselbewohner wirklich ein Mordkomplott schmieden könnte. Never! Dafür sind die hier alle viel zu nett.



Mon Dieu, jetzt habe ich ganz schlimmes Herzklopfen und möchte da GANZ UNBEDINGT hin! Herrliche Bilder hast Du uns mitgebracht. Merci für die kleine wunderbare Auszeit am Meer (am Montagmorgen im Home Office ;-))!
Bisous,
Marion
Liebe Marion,
es war mir eine ganz besondere Freude. Gerade bei Dir wollte ich mich auch für alle Deine Zeeland-Inspirationen revanchieren. ;)
Herzlichst, Conny
Ich bin auf einer Yacht an der Küste der Bretagne und versuche von den Häfen etwas zu erkunden. Eine tolle Inspiration
Liebe Martina,
ich beneide Dich sehr. Hab eine gute Zeit!
Herzlichst, Conny
Ich habe die Bretonische Idylle noch nich ganz fertig. Aber mir ging es ebenso. Ich hätte am liebsten die Koffer gepackt und ab auf die Belle Ile.
Es muss traumhaft sein…und der Kaffee Bon 🤗 der würde mich interessieren!!!
Ich habe fast alles riechen können. Ein toller Krimi mit wunderbaren Bildbeschreibungen
Bin jour
Bea
Liebe Bea,
wir schwärmen immer noch von der Schönen – ich kann Dir den Besuch daher nur ans Herz legen.
Herzlichst, Conny